OECD-Zahlen zur öffentlichen Entwicklungshilfe

Welthungerhilfe und terre des hommes kritisieren Rückgang der Entwicklungshilfe

Bonn und Osnabrück, 4. April 2008. Nach den heute von der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vorgestellten Zahlen ist die öffentliche Entwicklungshilfe der 22 größten Geberländer im Jahr 2007 erneut zurückgegangen. Sie belief sich auf 103,7 Milliarden Dollar, während 2006 noch 104,4 Milliarden Dollar und 2005 sogar 107,1 Milliarden Dollar zur Verfügung standen.

„Der Rückgang der weltweiten Entwicklungshilfe ist ein herber Rückschlag bei der Bekämpfung von Hunger und Armut und eine schlechte Nachricht für die Milliarde Menschen, die täglich von weniger als einem Dollar leben müssen“, erklärt Peter Mucke, Geschäftsführender Vorstand von terre des hommes. „Unter Berücksichtigung von Inflations- und Wechselkursveränderungen ist die weltweite Entwicklungshilfe 2007 um 8,4 Prozent gesunken. Das ist ein Skandal“, so Mucke weiter.

Die internationale Gebergemeinschaft hat sich verpflichtet, ihre Entwicklungshilfe bis zum Jahr 2010 auf rund 132 Milliarden Dollar zu erhöhen, damit die internationalen Millenniumsentwicklungsziele verwirklicht werden können. Der Trend zeigt allerdings in die entgegen gesetzte Richtung. Zwischen Versprechen und Wirklichkeit klafft ein Loch von 30 Milliarden Dollar.

Die deutsche Entwicklungshilfe ist dagegen im vergangenen Jahr um 5,9 Prozent auf 12,3 Milliarden Dollar gestiegen. Das ist ein Lichtblick und Erfolg für die deutsche Entwicklungsministerin. Der Lichtblick ist aber trügerisch, denn möglich wurde die Erhöhung – wie in den beiden Vorjahren – nur durch die Anrechnung von Schuldenerlassen, vor allem gegenüber dem Irak und Nigeria. Sie summierten sich im Jahr 2007 auf 2,9 Milliarden Dollar.

„Die positiven Entwicklungshilfezahlen dürfen für die Bundesregierung daher kein Grund sein, die Hände zufrieden in den Schoß zu legen. Denn in der deutschen Entwicklungshilfe wird der Strohfeuereffekt durch die Anrechnung der Schuldenerlasse voraussichtlich schon 2008 wegfallen“, sagt Hans-Joachim Preuß, Generalsekretär der Welthungerhilfe. „Die Bundesregierung ist gefordert, die für 2010 vereinbarte Erhöhung der Entwicklungshilfe auf 0,51 Prozent des Bruttoinlandeinkommens durch die Vorlage eines verbindlichen Stufenplans zu verwirklichen“, ergänzt Preuß.

Deutsche Welthungerhilfe und terre des hommes veröffentlichen jährlich den Bericht „Die Wirklichkeit der Entwicklungshilfe“ als kritische Analyse der offiziellen deutschen Entwicklungspolitik. Der OECD-DAC-Schattenbericht skizziert die quantitativen und qualitativen Aspekte der deutschen EZ-Leistungen vor dem Hintergrund der entwicklungspolitischen Zielsetzungen der Bundesregierung. Der aktuelle Bericht kann im Internet heruntergeladen werden unter www.tdh.de/entwicklungspolitik/entwicklungshilfe.htm

Quelle: Pressemitteilung tdh

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