“Die Welthungerkrise ist eine Menschenrechtsdesaster - UNO braucht klare Strategie”
Genf/Heidelberg, 22.05.08: Der UN Menschenrechtsrat betont in seiner heutigen Sondersitzung zur Welthungerkrise die Schlüsselrolle des Menschenrechts auf angemessene Ernährung, um die unmittelbaren und die strukturellen Ursachen der Krise zu anzugehen. FIAN begrüßt diese klare Botschaft an die internationale Staatengemeinschaft und fordert von der UNO eine kohärente Strategie zur Bewältigung der Krise. “Die aktuelle Welthungerkrise ist auch ein Menschenrechtsdesaster”, erklärte Flavio Valente, Generalsekretär von FIAN International in Genf. Die Menschenrechtsperspektive ist elementar, um die politischen Fehlentscheidungen auf nationaler und internationaler Ebene umzukehren, die den Hunger verursacht haben.
Von der heutigen Sitzung des UN-Menschenrechtsrats erhofft sich FIAN einen wichtigen Kontrapunkt zu der Strategie einer Arbeitsgruppe, die im April unter der Schirmherrschaft des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon eingesetzt wurde. In einer gemeinsamen Erklärung an den Menschenrechtsrat betonen FIAN, ActionAid, die internationale Kleinbauernbewegung Vía Campesina und andere Organisationen: “Entgegen der Diagnose der UN-Arbeitsgruppe zur Welthungerkrise sind die tieferen Ursachen in Jahrzehnten einer verfehlten Politik zu suchen. Unter dem Druck des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank und der Welthandelsorganisationen wurden die Spielräume von Staaten eingeschränkt, das Menschenrecht auf Nahrung zu respektieren, zu schützen und zu gewährleisten.”
“Die Welt braucht nicht mehr derselben Medizin”, erklärte Flavio Valente. “Es ist bemerkenswert, dass die UN Arbeitsgruppe zur Welthungerkrise mit keinem Wort erwähnt, dass angemessene Ernährung ein international anerkanntes Menschenrecht ist. Der Aufruf dieser Arbeitsgruppe zu einer Grünen Revolution in Afrika und beschleunigter Handelsliberalisierung trägt klar die Handschrift von IWF und Weltbank.”
FIAN begrüßt vor diesem Hintergrund die Initiative des UN-Menschenrechtsrats und eine Erklärung des UN-Ausschusses für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Der Ausschuss “fordert die Staaten auf, die strukturellen Ursachen der Krise auf nationaler und internationaler Ebene anzugehen. Dies schließt eine Revision der internationalen Handelsordnung bei der WTO ein, um sicherzustellen, dass Handelsregeln das Recht auf angemessene Ernährung und Freiheit von Hunger fördern statt es zu untergraben, insbesondere in Entwicklungs- und importabhängigen Ländern”.
Tags: Armut, Ernährung, Hunger
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August 22, 2008 at 1:42 Uhr nachmittags
Die Welthungerkrise ist eine Folge der Globalisierung. Durch die Einflussnahme der Industrienationen auf die Wirtschaft jeder Nation und der Wandel von den nationalen zu den globalen Märkten, entwickelte sich die Nahrungskrise wie von selbst.
Vorausgegangen sind die Forderungen der großen Wirtschaftsmächte, dass auch die armen Länder ihre Märkte öffnen, sodass beispielsweise europäische Länder überschüssige und subventionierte Produktionen in den 3te Weltländern absetzen konnten. Anfänglich hört es sich an wie ein Geschenk für die Armen dieser Welt. Europäische und amerikanische Bauern produzieren, was immer Bauern produzieren, Mais, Getreide, Baumwolle und so weiter. Da die landwirtschaftliche Produktion in Industrieländern verhältnismäßig teuer ist, wird sie vom Staat finanziell unterstützt, also subventioniert. Durch die staatliche Unterstützung ist es den Bauern nun möglich ihre Erzeugnisse billig zu verkaufen, weil der Staat praktisch einen Teil der Kosten übernimmt. Der Nutzen für den Staat besteht erstens in der teilweise Unabhängigkeit in der Lebensmittelproduktion, sodass nicht alle Grundnahrungsmittel Importiert werden müssen und zweitens in dem Erhalt von Arbeitskräften im Agrarsektor. Die Folge dieser Subventionen ist allerdings, dass sich jetzt die Landwirtschaft lohnt und die Bauern wie wild anfangen zu produzieren. Überschüsse werden zu Dumpingpreisen, also weit unter den Produktionskosten in den 3te Weltländern angeboten. Und hier beginnt die Krise. Dadurch, dass die kleinen Länder gezwungen wurden ihre Märkte zu öffnen, überschwemmen jetzt billige Nahrungsmittel die lokalen Märkte. Die Folge ist, die einheimischen Bauern müssen ihre Agrarproduktion einstellen, weil sie nicht mit den subventionierten Preisen für Nahrungsmittel der Industrienationen mithalten können. Jetzt sind die 3te Weltländer abhängig von den Überschüssen und Importen der Wirtschaftsmächte. Weil ihre Staaten zu arm sind die eigene Landwirtschaft zu subventionieren, bricht die eigene Produktion zusammen. Die Bauern werden arbeitslos und verarmen. Was sich anfänglich gut anhört, dass die Wirtschaftsmächte ihre Überschüsse für weniger Geld verkaufen als ihre Produktion gekostet hat, also ein reines Verlustgeschäft, hat katastrophale Auswirkungen auf den heimischen Markt der 3te Weltländer. Denn das Geld was sie nun für Nahrungsmittel bezahlen, auch wenn es wenig ist, geht nun nach Europa oder Amerika und nicht mehr an die Bauern im eigenen Land. Nach kurzer Zeit ist das Geld also buchstäblich aus dem Land verschwunden und die Menschen sind zu arm sich das billige Getreide länger leisten zu können. Und sie hungern. Nun kommt allerdings noch ein weiterer Faktor hinzu. Denn seit kurzem ist das billige Getreide fast doppelt so teuer geworden. Grund dafür ist die aufstrebende Wirtschaftsmacht China und ihre 1,3 Milliarden Menschen. Nahezu jeder vierte Mensch der Erde (22%) lebt in China. Bisher gehört China zu den wenigen Ländern der Erde, die ihre eigene Nachfrage an Agrarerzeugnissen decken können, obwohl sie nur 8% der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche der Welt besitzen. Da aber Chinas Bevölkerung eine wachsende Schicht an Wohlhabenden besitzt, steigt besonders die Nachfrage an einem Nahrungsmittel, an Fleisch. Fleisch zu produzieren benötigt aber vor allem eins, viel Getreide. Zur Produktion eines Kilos Schweinefleisch braucht man rund 7 Kilo Getreide. Diese Entwicklung lässt natürlich erwarten, dass China auf lange Sicht nicht mehr ihren eigenen Bedarf decken kann, sondern Getreide mittels Fleischproduktion importieren muss. Diese erwartete Nachfrage allein, lässt den Preis für Getreide steigen. Denn je mehr Getreide benötigt wird, die Nachfrage also stark steigt, die Produktion dieser enormen Nachfrage aber nicht nachkommen kann, desto teurer wird das Produkt. Ein simples marktregulierendes Element von Angebot und Nachfrage. Auch der Konsum in Europa von so genanntem „guten“ Fleisch, also Hühnerbrust und Filet anstatt den Schenkeln führt zu wiederum zu einem Überangebot an Schenkeln und Flügeln aber einer mangelnden Nachfrage in Europa. Um dennoch die ungewollten Überschüsse an „schlechtem“ Fleisch loszuwerden, friert man sie ein und schickt sie Containerweise, natürlich nach Afrika. Hier kaufen die armen Menschen natürlich die billige Importware und die Hühnerzüchter werden arbeitslos und haben auf lange Sicht natürlich auch kein Geld mehr sich das billige Fleisch aus Europa zu leisten. Als ob das nicht genug wäre, spielt ein weiterer Faktor eine Rolle, der die Preise nach oben treibt, das Öl. Die enorme Nachfrage nach fossilen Brennstoffen der Industrienationen, hat den Anbau von Mais oder Raps zur Energieproduktion zur Folge. Daher fallen große Ackerflächen der Produktion von Brennstoffen zum Opfer, die sonst zur Nahrungsmittelproduktion hätten dienen können. Das Anbauen von Nahrungsmitteln konkurriert also mit dem Anbau von – ebenfalls staatlich subventioniertem – Bio-Kraftstoffen. Ein weiteres Brandmahl dieser perversen Entwicklung ist, dass die Produktion von Bio-Kraftstoffen genauso viel Energie verbraucht, wie sie erzeugt, ein Nullgeschäft für die Natur also und ein Minusgeschäft für hungernde Menschen.