Karen, ein vergessener Konflikt: Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Myanmar
Neuer Amnesty-Bericht belegt andauernde schwere Menschenrechtsverletzungen an der ethnischen Minderheit der Karen im Osten Myanmars
BERLIN, 05.06.2008 – Die von Mönchen angeführten Massendemonstrationen im Spätsommer 2007 und der skandalöse Umgang der Militärregierung mit den Folgen des Zyklons haben zu Recht internationale Aufmerksamkeit und Empörung ausgelöst. Doch unterhalb dieses Radars geschieht in Myanmar ein schweres Verbrechen. Seit zweieinhalb Jahren führt die Armee Myanmars im Osten des Landes einen Krieg gegen die Zivilbevölkerung, die der ethnischen Minderheit der Karen angehört. Mehr als 140.000 Menschen wurden getötet, gefoltert, vertrieben, vergewaltigt oder in Zwangsarbeit verbracht. Diese schweren Menschenrechtsverletzungen sind in der Summe völkerrechtlich als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu werten, wie es u. a. im Artikel 7 des Römischen Statuts des Internationalen Strafgerichtshofes niedergelegt ist. Zu diesem Ergebnis kommt ein heute veröffentlichter Bericht von Amnesty International.
Seit sechs Jahrzehnten bekämpft die Armee bewaffnete Aufstände der Karen in diesem Gebiet. Dabei kam es immer wieder auch zu Menschenrechtsverletzungen gegen Zivilisten. Doch im Unterschied zu früheren Aktionen zielt die tatmadaw genannte Offensive der letzten zweieinhalb Jahre direkt und vorrangig auf die unbewaffnete Zivilbevölkerung. Amnesty International fordert einen sofortigen Stopp der tatmadaw-Offensive. Die UN-Vollversammlung hatte 2006 in ihrer Resolution der Regierung Myanmars 61/232 empfohlen, diese militärische Operation und die damit einhergehenden schweren Menschen- und Völkerrechtsverletzungen an der Zivilbevölkerung sofort zu beenden.
Dorfbewohner berichteten den Amnesty-Ermittlern, dass sie beständig um ihr Leben, ihre Würde und ihr Eigentum fürchten müssen, und dass in ihrer Gegend Dutzende Menschen gefoltert oder getötet worden oder “verschwunden” seien.
Tags: Burma, Myanmar, Birma, Minderheit
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